Wissenschaftliches Symposium anlässlich des 65. Geburtstages des Anatomen Professor Dr. Dr. Horst Claassen

Prof. Claassen vor dem Institut für Pathologie

Anlässlich seines 65. Geburtstags am 14. September 2017 hat Professor Dr. Dr. Horst Claassen vom Institut für Anatomie und Zellbiologie der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg zu einem wissenschaftlichen Symposium mit anschließendem festlichem Essen eingeladen.

Der Vortragsteil fand am 16. September 2017 im Großen Hörsaal des Instituts für Pathologie statt. Die Beiträge der eingeladenen Redner spiegelten die Forschungsschwerpunkte von Professor Claassen wider. Nach der Begrüßung eröffnete Claassen den wissenschaftlichen Teil mit einem Vortrag zum „Einfluß von Östrogenen auf den Gelenkknorpel“. Wichtigstes Ergebnis war, daß Knorpel abbauende Enzyme, die sogenannten Matrix-Metalloproteinasen, unter dem Einfluss physiologischer Östrogendosen supprimiert werden.

Dr. Martin Schicht (Erlangen) führte mit seinem „Der schmerzhafte Schritt“ überschriebenen Vortrag in die Pathogenese der Arthrose ein. Aktuelle Forschungen zeigten, dass Gelenkknorpelzellen während einer Entzündung sowie bei Osteoarthritis und rheumatoider Arthritis sogenannte Surfactant Proteins (Oberflächenproteine) synthetisieren und in die Gelenkflüssigkeit abgeben. Generell regeln Surfactant Proteins (SPs) die Oberflächenspannung von Flüssigkeiten und sind sehr gut aus der Lunge bekannt. Durch eine Fehlregulation der SPs kann die Oberflächenspannung der Synovialflüssigkeit negativ verändert und die Versorgung des Knorpels beeinträchtigt werden. Aus einer weiteren Proteinklasse mit Einfluss auf Entzündungsprozesse stammen die sogenannten Kleeblattpeptide (Trefoil-factor-peptides, TFF 1-3). TFF 3 kommt im gesunden Gelenkknorpel nicht vor. Bei Osteoarthrose induziert es die Expression der oben erwähnten Matrix-Metalloproteinasen.

Professor Andreas Wree (Rostock) sprach in seinem Beitrag „Halle – Venen – Rostock“ über eine seit drei Jahren bestehende Kooperation zwischen den Anatomischen Instituten beider Universitätsstädte. Die Entnahme der oberflächlichen und tiefen Oberschenkel- und Kniekehlenvenen fand in Halle statt, die anschließenden makroskopischen, histologischen und elektronenmikroskopischen Untersuchungen erfolgten in Rostock. Ein überraschendes Ergebnis war, dass der Durchmesser der Vena femoralis (4,3 bis 15,8 mm) und die Anzahl der Venenklappen in den Oberschenkelvenen (2 bis 13) sehr variabel waren. Schon dadurch wird die unterschiedliche Inzidenz für Venenerkrankungen beim Menschen erklärbar. Die Kollagentextur von Venen und Venenklappen soll jetzt mit dem Ziel des Venenklappenersatzes elektronenmikroskopisch untersucht werden.

Der Vortrag von Professor Rüdiger Schultka mit dem Thema „Die Suche nach dem Schiller’schen Schädel“ wurde wegen einer akuten Erkrankung von Claassen vorgetragen. Lange Zeit stritt man sich darüber, ob der sogenannte „Fürstengruftschädel“ aus dem Kassengewölbe in Weimar – der ersten Ruhestätte des Dichters Friedrich Schiller – zu Schiller gehört oder nicht. Hierzu wurde der Schädel mit einer Totenmaske Schillers verglichen. Der Anatom Hermann Welcker, erster Direktor des 1880 eingeweihten neuen Anatomie-Gebäudes in der Großen Steinstraße, stellte einst fest: „Die Maske ist ächt, der Schädel ein fremder.“ Er sollte bis in die heutigen Tage recht behalten.

Molekularbiologische Untersuchungen an Knochenmaterial der Familie des Dichterfürsten ergaben, dass der Fürstengruftschädel nicht zu Schiller gehört. Professor Friedrich Paulsen (Erlangen, früher Halle) stammt wie auch Claassen aus der „Kieler Schule“ der Makroskopischen Anatomie. Er referierte zum Thema „Erinnerungen an Kiel – Brauchen wir heute noch vergleichend-anatomische Untersuchungen?“. Der Doktorvater Claassens Professor Dr. Johannes Rohen hatte 1965 die Hypothese aufgestellt, dass Tränenflüssigkeit in den ableitenden Tränenwegen des Menschen rückresorbiert wird. Nur durch vergleichend-anatomische Untersuchungen der ableitenden Tränenwege verschiedener Tiere konnte ein geeignetes Tiermodell gefunden werden, um die Hypothese zu überprüfen. Und in der Tat werden Bestandteile der Tränenflüssigkeit bei der Passage durch die ableitenden Träenenwege rückresorbiert.

In seinem Schlußwort wünschte Claassen dem Fach Anatomie und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg eine glückliche Zukunft. Danach zog die Festversammlung in das Institut für Anatomie und Zellbiologie für die weiteren Feierlichkeiten zurück. Unter den Gästen waren zahlreiche Professoren der Martin-Luther-Universität: Altrektor Professor Diepenbrock, Altprorektor Professor Solms, Altdekan Professor Zierz, die Professoren Kleiber, Lasch, Markwardt und Struck sowie Professor Dehghani vom Institut für Anatomie und Zellbiologie. Von außerhalb waren gekommen: Ministerialrat Professor Caselmann (München) sowie die Professoren Koppe (Greifswald), Scholz (Erlangen) und Viebahn (Göttingen, früher Halle). Unter den vielen Gästen von Nah und Fern waren unter anderen auch ehemalige Doktoranden von Prof. Claassen sowie Angehörige des Corps Onoldia Erlangen. Am darauffolgenden Tag führte Professor Claassen noch ca. 25 interessierte Gäste durch die Meckelschen Sammlungen.

Text: Prof. Claassen

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